Psychologie #2 - Sexuelle Gewalt

Sexuelle Gewalt

Diesmal möchte ich euch dieses Thema näher bringen, dabei versuche ich mich kurz zu fassen und gehe auf gewisse Sachen nicht näher ein, da sie separat noch später genauer erläutert werden.
Wichtig ist es mir in erster Linie, einen Überblick zu dem Thema zu verschaffen, da vielen Opfern und Angehörigen der Umgang damit schwer fällt, sowie zu viele Vorurteile dazu herrschen.

Typische Vorurteile sind u.a.

  • Sexuelle Gewalt ist Vergewaltigung (der reine Geschlechtsakt) : jedoch gibt es verschiedenste Formen der sexuellen Gewalt
  • sexuelle Gewalt betrifft nur Kinder: auch das ist nicht richtig, Erwachsene, sowie Kinder und egal ob weiblich oder männlich können Opfer werden und auch Täter sein
  • Die Opfer wollten es doch so, sonst würden sie sich nicht so freizügig anziehen (besonders bei jungen Frauen): Die Optik des Opfers spielt eine viel geringere Rolle, als wie ihr Verhalten
  • Die Opfer ruhen sich auf ihrer negativen Erfahrung aus - Sie sollen sich nicht so haben: Diese traumatischen Erfahrungen, beeinflussen das Opfer (auch mit Therapie) ein Leben lang
Den Begriff sexuelle Gewalt nutze ich lieber wie Sexueller Missbrauch. Da "Missbrauch" eine sexualisierte Gewaltausübung am Opfer ist und viel mehr der Machtgewinnung des Täters dient, als wie nur seiner sexuellen Befriedigung.


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Häufigkeiten sexueller Gewalt

  • 3/4 weibliche Opfer und 1/4 männlicher Opfer zeigen sexuelle Gewalt an
  • 15% bis 30% sind weibliche Opfer inkl. Dunkelziffer
  • 5% bis 15% sind männliche Opfer inkl. Dunkelziffer
Opfer kommen aus allen sozialen Schichten und jeder Altersgruppe. Auch Säuglinge und Kleinkinder können Opfer werden.
  • 80% bis 90% sind männliche Täter
  • 10% bis 20% sind weibliche Täter
  • Über die Hälfte der Täter kommen aus dem nahem Umfeld des Opfers
    • Familienväter
    • Verwandte
    • Bekannte wie Lehrer, Trainer usw.
  • 1/3 der Täter sind Jugendliche
Täter kommen ebenso aus allen sozialen Schichten

Definition

Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung, die insbesondere an Kindern, gegen den Willen der Person vorgenommen wird.
Ebenso zählen sexuelle Handlungen, welche an Personen, die auf Grund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können.

Formen sexueller Gewalt

  • Sexueller Missbrauch ohne körperlichen Kontakt
    • zeigen von pornografischen Material
    • Opfer muss sich nackt zur Schau stellen
    • Exhibitionismus
    • Täter beobachtet Opfer beim Baden, Umziehen usw.
  • weniger intensiver sexueller Missbrauch
    • sexualisierte Küsse
    • Berührungen an Po, Brust (Opfer ist angekleidet)
  • intensiver sexueller Missbrauch
    • gegenseitiges berühren / masturbieren
  • sehr intensiver sexueller Missbrauch
    • Oralverkehr
    • Geschlechtsverkehr
Im rechtlichen Sinne, gibt es eine andere Einteilung der Formen, näheres hierzu:

Ursache sexueller Gewalt

Warum einige zu Opfern werden

Es wird behauptet, dass insbesondere eine mangelnde Aufklärung über Sexualität eine Ursache ist. Dies kann ich jedoch selber nicht bestätigen, viel mehr sehe ich die mangelnde Aufklärung über sexuelle Gewalt, als ein Problem an.
Viel mehr noch stehen körperliche, seelische und geistige Benachteiligungen im Vordergrund. 
So werden leichter Personen zu Opfern, die folgende Merkmale aufweisen:
  • körperliche und/oder geistige Benachteiligungen vorhanden
  • Vorhandensein von Ängsten
  • mangelndes Selbstbewusstsein
  • fehlende Kontakt- und Bezugspersonen
  • die sich einsam fühlen
  • die vernachlässigt werden
  • mit häuslicher Gewalt aufgewachsen sind
Insbesondere aufgrund mangelnder Kontaktpersonen und mangelnden Selbstbewusstsein, lassen sie sich besonders gut kontrollieren, manipulieren und einschüchtern, welches gängige Methoden der Täter sind.

Warum einige zu Tätern werden

Zunächst fördert die Geschlechterrolle, in der Mann mit Macht gleichgestellt wird, die Entwicklung von Täter-verhalten. So wird ein Mann der sich schwach und weniger mächtig fühlt, versuchen u.a. durch erhöhte Gewaltbereitschaft Macht zu holen.
Dabei spielen eigene Gewalterfahrungen der Täter in ihrer Kindheit eine große Rolle.
Sie erlebten u.a.:
  • Vernachlässigung
  • Demütigungen
  • seelische Gewalt
  • häusliche Gewalt
  • sexuelle Gewalt
Aufgrund solcher traumatischen Erfahrungen, fühlen sie sich weniger stark, weniger mächtig, unmännlich, haben ein geringeres Selbstwertgefühl und/oder sehen Sexualität gleichgestellt mit Macht und Kontrolle an.
Dies zeigt sich auch in ihrer Gefühlswelt, welche geprägt ist durch Ohnmachtsgefühle, Besitz-denken und Gefühl der mangelnde Kontrolle über ihr Leben.
Sie haben meist den Wunsch durch sexuelle Gewalt Macht auszuüben,um so das Gefühl der Überlegenheit zu erleben.

Ein weiteres Motiv, außer der Macht ist die Pädosexualität (Fixierung auf Kinder). Dabei fühle sich die Täter kaum bis gar nicht zu gleichaltrigen (besonders Erwachsenen) hingezogen. Sie fühlen sich im Beisein, von Kindern mächtiger, angesehener und beliebter, was ebenso auf negative Kindheitserfahrungen zurück zuführen ist.

Sie sehen selten wie Monster aus, sondern sind ganz im Gegenteil sehr angepasst.

Vorgehen der Täter

Sehr typisch ist es für die Täter, die sozialen Kontakte des Kindes einzudämmen oder gar zu verhindern. So werden auch Mutter und Kind entzweit. Dadurch hat das Opfer weniger Vertrauen in seine Mitmenschen und der Täter kann für sich das Vertrauen gewinnen.
Dies gelingt dem Täter besonders gut, indem er Missverständnisse und Lügen über die Mitmenschen verbreitet.
Weitere Methoden sind:
  • Schuldgefühle dem Opfer einreden z.B. "Du willst es doch auch!"
  • Opfer Gewalt androhen und Angst machen z.B.: "Wenn du was sagst, bringe ich dich um"
  • Gewalt anwenden

Hinweiße auf sexuelle Gewalt (insbesondere für Angehörige wichtig)

Zunächst möchte ich darauf hinweißen, dass die Hinweise abhängig vom Alter und der Persönlichkeit des vermuteten Opfers sind. Zudem müssen die Signale nicht eindeutig auf sexuelle Gewalt hindeuten.

Verhaltensänderungen ohne erkennbaren Grund

  • vermeiden gewisser Situationen z.b. Umziehen für Sportunterricht
  • meiden von bestimmten Personen
  • sexualisierte Sprache oder Spiele
  • Verschlossenheit, Isolation und Traurigkeit
  • Aggressivität, Unruhe, Nervosität
  • schulischer Leistungseinbruch

Andeutungen wie:

  • "Herr XXX ist blöd"
  • "Ich will nicht mehr mit XXX spielen"
  • " Ich will nicht mehr zu XXX gehen"

körperliche und psychosomatische Beschwerden

  • Hämatome an Brust- und Genitalbereich
  • Geschlechtskrankheiten
  • Schwangerschaft
  • Bauchschmerzen, Kopfschmerzen ohne körperliche Ursachen

Seelische Störungen

  • Albträume
  • Ängste
  • Tics
  • Autoaggression
  • Essstörung
  • Suchtverhalten

Folgen sexueller Gewalt


Psychosomatisch Folgen

  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen / Unterleibsschmerzen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Essstörungen
  • Asthma
  • Einnässen / Einkoten

Psychische und Emotionale Folgen

  • Misstrauen gegenüber anderen Personen
  • Misstrauen eigener Wahrnehmungen und mangelndes Selbstbewusstsein
  • Scham- und Schuldgefühle
  • Regressives Verhalten (kindliches Verhalten)
  • Depressionen
  • Aggressionen
  • Persönlichkeitsstörungen wie Borderline
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Angst- und Panikstörungen

Autoaggressives Verhalten

  • Selbstverletzung durch schneiden, verbrennen, Haare ausreißen usw.
  • Suizid (-Versuche)
  • Drogenkonsum und Alkoholmissbrauch
  • Essstörungen

Folgen im Sozialverhalten

  • plötzlicher Leistungsabfall -oder Anstieg
  • distanzloses Verhalten
  • Verschlossenheit / Einzelgängertum
  • Bindungsstörungen

Folgen im Sexualverhalten

  • Sexualisierung von Beziehungen
  • Störung der Sexualfunktion
  • Orgasmusprobleme
  •  Prostitution

Prävention und Hilfe für Opfer

Prävention

  1. Kinder über Sexualität und sexuelle Gewalt frühzeitig aufklären
  2. Wörter bei der Aufklärung wie "Nein", "Nicht", "Niemals" vermeiden
    • "Gehe nicht mit einem Fremden mit" Besser wäre "Gehe nur mit deinen Eltern mit"
    • "Nimm keine Geschenke von Fremden an" besser wäre "Nimm nur Geschenke von Fremden an"
    • "Gehe nicht alleine da lang" besser wäre "Gehe mit jemand anderem da lang"
  3. Verneinungswörter nimmt unser Gehirn ungerne bzw.gar nicht auf, daher sind diese zu vermeiden. Zudem erklären sie nicht klar, wie sich das Kind stattdessen verhalten sollen.
  4. Schenken sie ihrem Kind Vertrauen und verbieten sie nicht alles, denn darauf reagiert das Kind mit Wut und verhält sich erst recht so, wie sie es sich nicht wünschen. Das Kind möchte ihnen damit beweißen, dass es nicht von ihnen abhängig ist.
  5. Wenn das Kind Probleme hat, wie z.b. schlechte Noten, dann sagen sie nicht so etwas wie "lerne mehr", "Ist kein Problem" sondern fragen sie nach dem "Warum?"
  6. zum eigenen Schutz
    • Vertrauen sie sich selber und glauben sie an Hilfe von außen
    • Wehren sie sich, denn sie sind unschuldig!
    • Gehen sie nur mit Personen mit, denen sie wirklich vertrauen und die sie gut kennen

Hilfe für Opfer

  1. Suchen sie eine Vertrauensperson wie Freund, Mutter o.ä. auf und reden sie mit ihm über das erlebte soweit es ihnen möglich ist.
  2. alternativ können sie sich an eine Hilfsorganisation wenden wie z.b. Weißer Ring:
    • Tel.: 116 006
  3. Du bist unschuldig! Der Täter ist schuld!
  4. Glaube an dich, du bist gut so wie du bist!
  5. Gehe zur Polizei, mit einer Person deines Vertrauens!
  6. Handelt es sich bei dem Täter um eine Person die in deinem Haushalt mit lebt, so verlasse die gemeinsame Wohnung und gehe zu einem Freund vorübergehend oder melde dich beim Jugendamt

Hilfe für Angehörige

  1. Glauben sie der Person
  2. bleiben sie während des Gespräches ruhig, hören sie zu und fragen sie nicht zuviel
  3. Geben sie dem Opfer Zeit
    • vermeiden sie es, zuviele Fragen zu stellen und Hilfsangebote zu machen
    • Das Opfer fühlt sich sonst bedrängt und verschließt sich
  4. Versichern sie dem Opfer, dass es richtig war darüber zu reden und dass es unschuldig ist
  5. Suchen sie gemeinsam mit dem Opfer und mit dessen Einverständnis professionelle Hilfe auf
    • gemeinsam einen Therapeuten suchen
    • gemeinsam über eine mögliche polizeiliche Anzeige entscheiden
  6. Vermeiden sie Vorwürfe wie:
    • "Warum hast du nicht eher was gesagt?"
    • "Warum liebst du ihn noch?"
    • Dass verunsichert das Opfer und gibt ihm ein Gefühl der Mitschuld

Nützliche Links

  • www.wildwasser.de
  • www.dunkelziffer.de
  • www.kein-raum-fuer-missbrauch.de
  • www.weisser-ring.de
  • www.hilfeportal-missbrauch.de
  • www.lebensgeschichten.org/missbrauch/
speziell für männliche Opfer
  • www.tauwetter.de

Umfrage zum Thema sexuelle Gewalt

Zum Schluss, würde ich euch gerne bitten an der folgenden Umfrage teilzunehmen, welche ich gerne später auswerten würde, um die Ergebnisse auf dieser Seite veröffentlichen zu können.
Alle Daten bleiben geheim!
Die Dauer der Umfrage ist unter 10minuten.

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