Psychologie #1 - Autoaggression alias SSV

Hallo

Heute möchte ich euch einige Informationen zum selbstverletzenden Verhalten geben.
Erst einmal möchte ich euch dabei eine Zeichnung zeigen, die ich vor einigen Tagen in 10min erstellt habe zu dem Thema.
Autoagression Zeichnung

1. Was ist Autoaggression
Autoaggression auch Automutalitaion genannt, ist eine Schmerz- und Gewaltanwendung gegen den eigenen Körper.

2. Häufigkeit
Es neigen überwiegend Mädchen dazu. 5:1 sind es Mädchen zu Jungen die sich selber verletzten. Sie beginnen meistens damit im Alter zwischen 12 - 15 Jahren. Die häufigste Form ist dabei das sich in die Haut schneiden (72%), ansonsten Haare ausreißen, Fingernägelkauen und sich selber schlagen.

3. Bei welchen Krankheiten tritt es auf?
  • Depressionen ( als Selbstbestrafung oder um sich selber wieder zu spüren)
  • Borderline ( u.a. für Anerkennung und Aufmerksamkeit)
  • frühkindliche Deprivation, durch mangelnde elterliche Fürsorge
  • Angststörungen
  • Multiple Persönlichkeitsstörung
  • Schizophrenie
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Suchterkrankungen
  • Essstörungen

4. Formen der SSV
  • schneiden oder ritzen mit Messer, Schere, Klinge und Scherben
  • Kopfschlagen (gegen Gegenstände)
  • schlagen des Körpers
  • Haare ausreißen
  • Mit Nadeln sich in haut stechen
  • sich beißen
  • Verbrennungen durch Zigaretten, oder auf heiße Herdplatte fassen
  • Verbrühungen und Verätzungen
  • Einnahme schädlicher Substanzen, auch Drogen
  • An Fingernägeln kauen
Im weiteren Sinne lassen sich noch folgende Formen hinzufügen. Sie basieren auf dem selben Wirkungsmechanismus, wie die oben genannten Formen, sind jedoch wissenschaftlich nicht der Autoaggression zugeordnet.
  • Tätowierungen
  • Piercings
  • Suchterkrankungen, wie übermäßiges Alkohol trinken
  • Magersucht
  • Bulimie
  • Esssucht
  • zerstören eigener geliebter Gegenstände z.b. Lieblingskleidungsstück

5. Ursachen der SSV
Es gibt viele Ursachen für dieses Verhalten, meist sind es jedoch soziale Faktoren, sowie die eigene Persönlichkeit die eine große Rolle für die Entstehung spielen.
So sind häufige Gründe:
  • Trennung der Eltern
  • Verlust einer Bezugsperson
  • Konflikte mit Familie, Freunden, in der Schule
  • Mobbing
  • sexuelle und häusliche Gewalt
  • Schuldgefühle und Selbsthass
Menschen mit Autoaggressionen sind sehr sensibel und selbstkritisch. Zudem haben sie ein geringes Selbstwertgefühl. Sie sind impulsiv, aggressiv und leicht reizbar, sind jedoch nicht in der Lage diese Gefühle angemessen zu zeigen. daher verdrängen sie die negativen Gefühle und beginnen sich selber für diese Gefühle zu hassen. Viele Betroffene sind zudem depressiv und fühlen sich sehr einsam.

Um ihre negativen Gefühle wieder los zu werden, beginnen sie nun sich selber zu schädigen. Dabei kommt es zur Endorphin-Ausschüttung (Glückshormone), sowie einer Dissoziation (Abspaltung) von der Realität. Dabei wird die Erfahrung gemacht, dass nach der Selbstverletzung eine Erleichterung einsetzt. Der innere Druck hat nachgelassen. 
Hierbei handelt es sich um kognitives Lernen (Lernen durch Einsicht). Der betroffene lernt, dass nach der Selbstverletzung ein gutes Gefühl eintritt. Somit wird er sich erneut selber schädigen, sobald ein negatives Gefühl wie Wut auftritt.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass es sich bei Autoaggression um eine Suchterkrankung handelt.


6. Umgang mit SSV
Der beste Weg aus der Autoaggression heraus ist eine Therapie. jedoch weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es ziemlich schwer ist einen geeigneten Therapieplatz zu finden. Ich finde außerdem, dass die zahlreichen Tipps wie sich rote Linien auf den Arm malen, keinen wirklichen Erfolg haben und das eigentliche Problem nicht lösen.
Daher von mir paar Tipps.
Für Betroffene:
  • Sucht euch eine vertraute Person und redet mit dieser über euer Problem.
  • Versucht euch klar zu werden, nach welchen Situationen ihr das Verlangen habt. Erst wenn euch dies bewusst ist, könnt ihr sie abändern und dadurch die Selbstverletzung verlernen
  • Habt keine Angst euch jemanden anzuvertrauen, ihr seit deswegen keine Monster oder weniger wert als andere Menschen.
  • Versucht einen angemessenen Therapieplatz zu finden ob ambulant oder stationär ist individuelle abzuklären
  • Lasst eure Aggressionen, eure Wut heraus, jedoch nur an richtiger Stelle. Wenn ihr auf jemanden wütend seit, dann sagt dass der Person, sie wird euch dafür nicht gleich hassen und ihr seit deswegen keine schlechten Menschen. Wut ist ein normales Gefühl, was jeder von uns kennt.
  • Falls ihr nicht die Kraft habt euren Zorn an der Person auszulassen, dann versucht es mit Sport oder aufs Kissen hauen. Auch freies malen kann hierbei sehr hilfreich sein. Ich selber spiele oft auch Autorennen mit meiner XBox.
Für Angehörige:
  • Macht dem Betroffenen keine Vorwürfe
  • Versucht es nicht dem Betroffenen zu verbieten, lenkt ihn viel mehr ab, wenn ihr merkt die Person hat Kummer oder Stress.
  • Redet nicht über die Selbstverletzung von euch aus, der Betroffene muss zu euch kommen.
  • Hört dem Betroffenen zu, ohne Ratschläge zu geben.
  • Unterstützt ihn bei der Suche nach einem Therapieplatz
  • Bedrängt die betroffenen Personen nicht, sich zu ändern oder zu einer Therapie
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